Wochenlanges Training, Akklimatisation bis auf 6200 m und dann das lange Warten auf das Permit: Die Ski-Expedition am Muztagh Ata 7546 m verlangt der Gruppe viel Geduld ab. Als endlich die Freigabe kommt, beginnt der viertägige Summit Push über drei Hochlager bis zum Gipfel.
Endlich unterwegs zum Muztagh Ata
Nun ist der Tag also gekommen, welcher bei allen Teilnehmern der Muztagh Ata-Expedition 2025 in den Kalendern schon lange fett markiert war: 14.06.2025! Viele Läufe, Wanderungen, Bergtouren, Radtouren und weitere Formen des Trainings wurden abgeschlossen. Ausrüstung wurde ergänzt, erneuert, komplettiert und ausprobiert. Die Taschen, Rucksäcke und Skier waren gepackt. Wir, die Teilnehmer aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, waren bereit, in dieses Abenteuer zu starten.
Mit dabei waren: Nadine, Alain, Gabriel, Jürg, Marco, Martin, Stephan sowie unser Bergführer Franz.
Zwei Tage vor Abreise gab es nochmals eine Information über die leider wenig erfreulichen Neuigkeiten. Unsere Permits zur Besteigung des Muztagh Ata liegen noch nicht vor. Die Schilderungen des Problems liessen auch nicht auf eine rasche Lösung schliessen. Wir beschlossen, die Reise zu starten.
Zwischen Kashgar und fehlendem Permit
Pünktlich trafen wir am Sonntag schliesslich in Kashgar ein. Temperaturen von teils mehr als 30°C erwarteten uns. Unser Tourguide Adel führte uns in den folgenden zwei Tagen durch die Gassen von Kashgar und mit zu einem ersten Trip in die Taklamakan-Wüste. Abgerundet wurden die Tage mit gemeinsamen Nachtessen, am besten draussen auf der Strasse. Die Menschen in Kashgar waren meist sehr freundlich und neugierig. Manche nahmen ihren Mut zusammen und fragten, ob sie ein Foto mit uns machen dürften. Natürlich machten wir ihnen diese Freude.
Trotz fehlenden Permits wurde entschieden, dass wir am Mittwoch Kashgar verlassen und nach Subashi fahren, um mit der Akklimatisierung beginnen zu können.
Der Muztagh Ata zum ersten Mal im Blick
Nach einer Busfahrt von rund 5h sind wir gut in Subashi (3600m) angekommen. Hier konnten wir einen ersten wundervollen Blick auf den Muztagh Ata, „Vater der Eisberge“, werfen. Nach zwei Nächten in einer Jurte und einem Abstecher auf einen nahe gelegenen Hügel mit einer schönen Rundsicht, ging es bereits los in Richtung Basecamp. Da seit einigen Jahren eine geteerte Strasse zum Basecamp führt, wurde unsere Ausrüstung, entgegen dem Tourenprogramm, statt mit Kamelen auf einen Jeep transportiert.
Zu Fuss im Basecamp auf 4350m angekommen, haben wir unsere grosszügigen Zelte (jeder Teilnehmer hatte sein eigenes Zelt) bezogen. Am Folgemorgen ging es bereits los mit einer Akklimatisationstour hoch zum Camp 1 auf 5550m.
Da der Schnee erst ab einer Höhe von ca. 5000m lag, wurden die Skis und die Skischuhe ebenfalls auf den Rucksack gepackt. Zusammen mit dem zweiten Schlafsack und der Schlafmatte sowie den sonstigen Utensilien, welche wir im Camp 1 deponieren wollten, kam viel Gewicht zusammen.
Der Aufstieg zum Camp 1 war lang und beschwerlich. Welch grosse Freude, als wir das Camp endlich erreicht haben, unser Material lagern und mit den Skis im guten Schnee bis zur Schneegrenze runterfahren konnten. Unsere Skis haben wir dort in einem Zelt deponiert und sind zu Fuss das restliche Stück zurück ins Basecamp gelaufen. Nach 8 Stunden Auf- und Abstieg freuen wir uns alle auf den morgigen Ruhetag.
Akklimatisation bis auf 6200 Meter
Nach unserem Entspannungs-, Wasch- und Duschtag geht’s am Montag auf zu unserer ersten Rotation, mit Übernachtung im Camp 1. Am darauffolgenden Tag geht es zu Camp 2 auf rund 6200m ü. M. = «Touchpoint», und wieder hinunter zum Base Camp. Leider zwangen Knieprobleme Martin zum Abbrechen der Tour, sodass wir zu siebt mit vollbepacktem Rucksack, diesmal inklusive Kocher, den Aufstieg in Angriff nehmen.
Bevor wir im ABC-Lager auf die Skier wechseln, lassen wir jene von Martin in perfektem Timing mit Hilfe der Drohne der chinesischen Agentur ins Base Camp befördern: Welch technischer Fortschritt. Mit den Skiern geht’s weiter und die Temperatur lässt uns alle schön schwitzen. Im Camp 1 angekommen, richten wir uns in den Zelten ein und während mindestens 2 Stunden sind wir mit Wasserschmelzen für unsere Nudelsuppe und das Trinken beschäftigt.
Die Abend- und Landschaftsstimmung ist fantastisch, mit Sonne bis um 22.00 Uhr. Nach einer etwas unruhigen Nacht starten wir morgens gegen 10.20 Uhr mit den ersten Sonnenstrahlen und schlängeln uns durch die majestätischen Gletscherspalten und Gletscherabbrüche. Nach zirka 4 Stunden erreichen wir müde, aber glücklich das Camp 2. Wir machen eine kurze Verschnaufpause bevor wir hinunter zum Camp 1 fahren und das liegengelassene Material in unseren Zelten für die nächste Übernachtung in einem Zelt lagern. Die Abfahrt bis ins Camp 1 ist toll, danach bis zum ABC-Lager eher sulzig, mit der Gefahr, den Kopf in den Schnee zu stecken. Gegen 19:00 kommen wir heil ins Base Camp, gönnen uns ein frisches Bier und freuen uns auf den morgigen Ruhetag.
Endlich ein wohlverdienter Ruhetag. Wir nutzen die Gelegenheit, um unsere Sachen zu waschen und zu duschen. Nach einem langen Mittagsschlaf sind wir zum Abendessen eingeladen, wo uns in gemütlicher Atmosphäre ausgezeichnete Gerichte serviert werden.
Das Permit stoppt die Expedition
Am Donnerstagmorgen, nach einem ausgiebigen Frühstück, erreicht uns eine schlechte Nachricht: Wir müssen im Basislager bleiben, anstatt wie geplant zum Camp 1 aufzusteigen. Franz, unser Guide, verbringt den Nachmittag mit Gesprächen mit unserem Ansprechpartner der chinesischen Agentur. Die Nacht ist stürmisch und anstrengend, da die Informationen widersprüchlich und unklar sind.
Am Freitagmorgen taucht ein strahlender Sonnenschein das Basislager in warmes Licht. Doch wir dürfen das Lager weiterhin nicht verlassen. Um 15 Uhr werden wir aufgefordert, ins Dorf Subashi auf 3650 Meter abzusteigen. Nach ein paar Bieren ist die Stimmung wieder deutlich besser. Die Lastwagen, die in Richtung Pakistan unterwegs sind, begleiten akustisch unsere Nacht. Gegen 17 Uhr am Freitag dürfen wir endlich ins Basislager zurückkehren, wo man uns bereits mit einer Karaffe Rotwein erwartet. Die kleine Gruppe entscheidet sich, am Samstagmorgen den wunderschönen Karakol-See am Fuss des Muztagh Ata zu besuchen. Die Farben des Sees sind magisch, und die Stimmung ist entspannt – dank der starken Freundschaften, die sich unter den Teilnehmenden gebildet haben.
Am Sonntagmorgen unternehmen wir einen kleinen Spaziergang am Fuss des Gletschers, bevor wir uns vom Wind in einen langen Mittagsschlaf wiegen lassen.
Endlich grünes Licht für den Summit Push
Das Permit liegt zwar noch nicht formal vor, aber wir haben von der Organisation heute die Freigabe für die Besteigung. Mittwochmorgen geht’s endlich wieder los, direkt mit dem 4-tägigen Summit-Push. Auf die 2 Akklimatisationsrotationen mussten wir verzichten, da wir ja 2 Wochen im Base Camp festgehangen sind wegen diesem Permit-Drama...
Um 11.30h starteten wir gut genährt vom Morgenessen und in guter Laune zum Lager 1 (5'550 m). Mit den Wanderschuhen zum ABC-Camp (Materialdepot) auf 5'000 m, dort wird umgerüstet auf Tourenski und auf geht’s zum Lager 1. Alles Material, das schon eine Woche im Lager 1 gelagert wurde, fanden wir unbeschädigt wieder vor. Im Vorfeld hatte der Wind zwei Zelte einer anderen Organisation mitsamt Inhalt weggefegt.
Wie am Vortag: bei schönem Wetter und einer einigermassen ruhigen Nacht starteten wir um 11.30 h zum Lager 2 auf 6200 Metern. Mit kleinen Schritten kamen wir um 16.00 Uhr an. Erholung im Zelt, Schnee holen und mit Abkochen anfangen, damit es genügend Wasser hat. Mit dem erhaltenen Wasser wurde Fertignudelsuppe gekocht.
Es war immer etwas laut um unser Zelt, da sich noch eine grosse chinesische Gruppe im gleichen Zeitraum in unserem Lager befand – alle mit 8000er-Anzügen und Schneeschuhen, immer ein grosses Gelaber. Nach dem üblichen Abendprozedere kuschelten wir uns gemütlich in den warmen Schlafsack.
Um 11.00 Uhr starteten wir zum Lager 3 auf 6900 Metern bei recht starkem Wind. Ziemlich müde angekommen, machten wir alles bereit für den morgigen Gipfeltag. Die Nacht auf dieser Höhe war alles andere als Erholung. Kälte, Enge im Zelt – am besten, man hat schon fast alles an im Schlafsack – und auch der Hunger ist nicht besonders gross hier oben.
Gipfeltag am Muztagh Ata 7546m
Um 05.00 h früh starteten wir, der grossen Kälte entsprechend angezogen. Wettermässig genau der richtige Tag – Wetter gut und vor allem wenig Wind. Am Anfang war noch die ganze Gruppe zusammen, dann gab es kleinere Gruppen. Ich und mein noch etwas älterer Kollege Gabriel machten den Schluss – irgendwann war dann auch ich allein unterwegs.
Ich stand um 13.00 Uhr auf dem Gipfel! Jedoch musste ich alle Register ziehen, dass ich das schaffte. Die Ersten waren etwas früher oben, einigen anderen genügten auch fast 7500 Meter. Total kaputt sind wir alle um 20.00 Uhr gut und happy im Base Camp angekommen.
Ein grosses Abenteuer geht zu Ende! Alle sind gesund – ich habe jedoch eine leichte Erfrierung am Daumen. Jetzt geht’s zurück nach Kashgar, Erholung und Körperpflege sind angesagt. Danke an das ganze Team! Es war einfach eine super Gruppe. Ein herzlicher Dank vor allem unserem Bergführer Franz! Er ist nicht nur ein sehr guter Bergführer, er zeichnete sich auch als hervorragender Krisenmanager bezüglich des Permits aus.
Bericht Teil 1: Stephan, 20.06.2025
Bericht Teil 2: Marco, 20.06.2025
Bericht Teil 3: Nadine, 04.07.2025
Bericht Teil 4: Alain, 04.07.2025
Bericht Teil 5: Jürg, 07.07.2025